Sprache ist die Hoffnung: DEUTSCH lernen und ARABISCH.

In Schwerin haben syrische Lehrerinnen und Lehrer gemeinsam mit arabisch sprechenden Eltern dabei, ein Angebot an Unterricht in arabischer Sprache für ihre Kinder aufgebaut. Mittlerweile nehmen etwa 140 Schülerinnen und Schüler in den verschiedenen Altersgruppen dieses Angebot wahr. Durchgeführt wird dieser Unterricht an Wochenenden und in den Ferien.
Angesichts der Notwendigkeit für alle Geflüchteten, zunächst einmal Deutsch zu lernen, erscheint dieses Angebot manchen als fragwürdig.

Welche Gründe gibt es nun für die Einführung des Arabischunterrichts? 14079975_1051131524971358_4909159532432881291_n

Mehr als die Hälfte der Weltbevölkerung spricht mehrere Sprachen. Auch in Deutschland leben immer mehr Menschen, deren Muttersprache nicht Deutsch ist. Mehrsprachigkeit kann für die Kinder eine große Chance bedeuten und für die allgemeine sowie die berufliche Entwicklung ein Vorteil sein.
Kinder lernen mit einer zweiten Sprache auch eine zweite Kultur kennen. In der Regel haben Kinder, die zwei- oder mehrsprachig aufwachsen, mit dem Erwerb der Sprachen keine Schwierigkeiten. Im Gegenteil: Unabhängig davon, welche Sprachen ein Kind bereits im Vorschulalter erwirbt, kann sich dies vorteilhaft auf den Erwerb weiterer Sprachen und auf das Lernen insgesamt auswirken.

Es geht vor allem darum, die Sprachkompetenz in der Herkunftssprache zu erhalten und zu fördern. Kinder lernen sehr schnell. Sofern sie bereits eine deutsche Schule besuchen, hier gefördert werden und auch deutschsprachige Freunde gefunden haben, machen sie sehr schnell Fortschritte im Erwerb der deutschen Sprache, häufig sehr viel schneller als ihre Eltern. Bereits nach kurzer Zeit beklagen die Eltern aber auch, dass ihre Kinder weniger gut arabisch sprechen und vor allem schreiben können. Vor allem die Kinder im Grundschulalter lernen zunächst die deutsche Schrift und die arabischen Schriftzeichen nur dann, wenn die Eltern sie ihnen beibringen.

Einige Kinder haben als Folge von Krieg und Flucht lange Zeit gar keine Schule besucht. D.h. dass auch ihre Kenntnis der Muttersprache nicht altersgemäß entwickelt sein kann und eine Verbesserung nicht zu erwarten ist, wenn sie hier nicht gefördert werden.

Dieser Mangel wird spätestens dann als Problem sichtbar werden, wenn die Familien nach Kriegsende, wann immer das auch sein mag, in ihre Heimatländer zurückkehren wollen. Innerfamiliäre Konflikte sind vorprogrammiert, wenn die Eltern zurückkehren wollen, die Kinder aber nicht, u.a. weil ihre Muttersprache für sie eine Fremdsprache geworden ist.
Die Förderung der Herkunftssprache in der Schule ist kein neues bildungspolitisches Thema. Die verschiedenen Migrationswellen, die Bundesrepublik Deutschland seit ihrer Existenz erlebt hat, bringt dieses Thema immer wieder auf die Tagesordnung, sei für Menschen mit Türkisch, Polnisch oder Russisch als Herkunftssprache. Neu sind lediglich die Sprachen, vor allem Arabisch und Farsi.
Alle Bundesländer haben inzwischen Regelungen zum Schulbesuch von Schülerinnen und Schülern nichtdeutscher Herkunftssprache. Diese Bestimmungen enthalten neben Vorgaben für die Förderung der deutschen Sprache auch Vorschriften, die den Umgang mit der Herkunftssprache betreffen. Auch in unserem Bundesland sind seit 2011 „Bestimmungen zur Eingliederung und zum Schulbesuch von Schülern nichtdeutscher Herkunftssprache in Schulen Mecklenburg-Vorpommerns“ in Kraft. Auch hier kann herkunftssprachlicher Unterricht an den Schulen angeboten oder als erste oder zweite Pflichtfremdsprache in einer Feststellungsprüfung anerkannt werden. (Punkt 6 der Bestimmungen) Die Leistungsfeststellung ist jeweils von Lehrkräften mit entsprechender Lehrbefähigung oder vergleichbarer fachlicher Qualifikation durchzuführen, die von der Schulbehörde bestimmt werden.
Zurück zum Schweriner Beispiel: es ist zu begrüßen und zu unterstützen, dass Lehrer und Eltern die Initiative ergreifen und auf eigene Kosten die Kinder in ihrer Herkunftssprache fördern wollen. Aber: Es ist Aufgabe von Schulen, Mehrsprachigkeit wahrzunehmen und positiv zu gestalten. Genutzt werden kann hier das große Potential der ausgebildeten Lehrkräfte, die im Kreis der Geflüchteten zu finden sind und vielfach nur darauf warten, dass sie wieder in ihrem Beruf arbeiten können. Das Land Brandenburg ergreift die Chance und bietet geflüchteten Lehrerinnen und Lehrern eine Anpassungsqualifizierung für den Einsatz in den Schulen. Mecklenburg-Vorpommern sollte sich daran ein Beispiel nehmen.